[Gebabbel] Mein Weg abwärts

Das hört sich jetzt so negativ an, aber in dem Punkt ist abwärts gut!!!

Gestern habe ich dieses Bild auf meine sozialen Kanäle gesetzt. Ich war das erste Mal Hosen kaufen seitdem ich abgenommen habe und fand den Erfolg schon immens.

Kaum ein Bild bisher hat so viel Resonanz bekommen wie dieses und es machte mich schon ein wenig stolz. Als die ersten Fragen nach dem „Wie“ kamen habe ich beschlossen meinen Gewichts-Werdegang mal aufzuschreiben. Jeden Abschnitt werde ich in Absätze packen und manchmal auch mit Überschriften versehen. So können die die das Vorher nicht interessiert, direkt zum Ende hüpfen 😉 Will ja keinen Langweilen.

Meine Jugend bis zur dritten Schwangerschaft

Ich war nicht immer dick und war auch kein dickes Kind. Ich hatte mit 17 kurz vor meiner ersten Schwangerschaft eine Hosengröße 36. Ich trug trotzdem schon immer gerne weite Pullis und Sweatshirts doch auch da reichte ein L.
Ich wurde Schwanger und hatte bei der ersten Untersuchung 58 kg bei einer Größe von 164 cm. Meine Zunahme in der Schwangerschaft war normal und am Ende stand dort eine 72. Doch es blieb ein wenig was drauf so dass ich (wenn ich mich jetzt richtig erinnere) bei 64 kg blieb. Ich hatte eine Hosengröße 38 und fühlte mich auch wohl. Ich war erst 18 und war sowieso total Happy über meine Tochter. Gewicht war kein Thema.
Mit 19 wurde ich das zweite Mal schwanger und hatte wieder eine normale Zunahme, nach der Schwangerschaft blieben aber wieder Kilos drauf. Diesmal endete ich bei 72. Hosengröße 38 wurde langsam eng, 40 war da eher die Größe. Das hielt ich auch eine ganze Weile. Bewegung bekommt man durch kleine Kinder genug und so glich sich mein Essen aus. Denn drauf geachtet habe ich immer noch nicht. Cola war schon immer mein Getränk. Süßes gab es nach Lust und Laune.
1997 habe ich mit dem Rauchen aufgehört ich nahm 9 kg zu, das erste Mal machte ich mir Gedanken und zählte Kalorien, aber ich war noch nie ein Mensch der so diszipliniert ist und wog auch nicht alles nach. Die 9 kg gingen aber trotzdem runter. Irgendwann las ich mal das man das Gewicht das man zunimmt durch das Aufhören ganz von alleine wieder verliert. Somit denke ich nicht das ich damals wirklich viel dafür getan habe.
2001 wurde ich wieder schwanger und behielt auch kein Gewicht übrig. 72 kg waren es immer noch und immer noch die 40.

Mit dem Taxi fahren ging es weiter bergauf

Ich begann 2003 als Taxifahrerin zu arbeiten. Zunächst nur Samstags, weil es zeitlich mit den Kids am besten passte. Doch gerade Samstags gibt es auch des öfteren Standzeiten und neben Lesen war Essen mein Zeitvertreib. So stieg das Gewicht stetig an bis über 80 kg. 10 kg waren es in etwa 5 Jahren die ich zunahm. Diät…nee keine Lust, noch fühlte ich mich wohl solange es nicht darum ging neue Klamotten zu kaufen, denn jetzt war ich bei Hosengröße 42-44 angelangt und von der Stange war hier so langsam schwierig. Vor allem auch da meine größte Problemzonen  mein Hintern und meine Beine sind.

Die Trennung ließ die Kilos purzeln

2006 trennte ich mich von dem Vater meiner Kinder  und nahm 16 kg ab. Ich habe dafür nichts getan. Es war eher die Psyche die die Fettzellen fraß und mich so wieder unter 80 kg brachte. Da ich nichts an meiner Ernährung geändert habe konnte es daran zumindest nicht liegen. Ich hatte ein wenig mehr EBwegung weil ich nun kein Auto mehr hatte, aber ich glaube nicht dass das über einem Zeitraum von einem halben Jahr 16 kg macht.

Kennenlernen, wohl fühlen, dick werden

2007 lernte ich meinen jetzigen Mann kennen. Das Thema Gewicht gab es irrwitzigerweise recht schnell, denn er sagte mir ziemlich am Anfang schon das er zunimmt wenn er sich wohl fühlt. Bei mir sollte es nicht anders sein. Die Hosen in die ich stolz wieder rein passte konnte ich recht schnell wieder zur Seite legen und neu gekaufte waren auch nicht ewig zum tragen geeignet. Auf der Konfirmation meiner Kleinen meinte eine Bekannte das ich ja jetzt, wo es mir gut ginge, abnehmen könnte, doch genau das war es doch. Für mich galt der Leitspruch Lieber geht es mir gut und ich bin dick, als wenn ich dünn bin und es mir schlecht geht. Abnehmen…Nein Danke. So stiegen die Kilos. Wir besaßen keine Waage somit bekam ich es gar nicht so mit. Wahnsinn wie man etwas ausblenden kann. Ganzkörperspiegel gab es auch nur im Schlafzimmer und so sah ich mich wirklich selten. Doch es gab die bösen Fotos und diese machten mir natürlich immer mal deutlich das ich fett bin. Da ich aber mittlerweile Klamotten bekam und es mir auch sonst gut ging sah ich keinen Grund dieses zu ändern.
2014 starb meine Freundin und es bestätigte mir nur, dass das Leben zu kurz ist um zu verzichten. Es ging weiter wie bisher. Warum sollte ich auch etwas ändern.

2016 ein erstes Nachdenken und der Versuch einer Diät

2016 fingen meine Rückenschmerzen an und nicht nur bei mir, auch Micha plagten sie so stark das er eine Schmerztherapie machte. Natürlich musste abgenommen werden und wir gingen es gemeinsam das erste Mal an. Januar begonnen wir und verzichteten auf alles was wir gerne mochten. Die Pfunde purzelten von 116 kg auf 110 kg doch dann stagnierte es und ich wurde von Woche zu Woche unzufriedener. Warum verzichte ich überhaupt wenn es doch nicht weiter runter geht. Ich weiß nicht mehr genau wann wir abgebrochen haben, aber wir haben uns beide angezickt und beschlossen so geht es nicht weiter. Wir gaben  auf. Kein schöner Gedanke aber wir hatten es versucht und es klappt einfach nicht. Ich war zwar kurzzeitig auf 109.9 kg aber trotzdem es war mühsam.

2017 die Kehrtwende

Die Kilos stiegen bei mir auch wieder. Meine Rückenschmerzen auch und bei Micha motzte nun auch noch das Knie. So dass 2017 wieder der Punkt erreicht war über Diät nachzudenken. Eine OP kam für ihn (von den Ärzten aus) nicht in Frage. Abnehmen sollte den Druck aufs Knie vermindern und somit auch den Schmerz. Also doch wieder abnehmen? Für ihn stand das fest und für mich?!? Auch!!! Er sagte mir ich müsse nicht. Er schafft das auch alleine, doch fand ich es doof alles wie bisher essen zu dürfen und ihm dann was vorzukauen wenn er hier schmacht hat. Ich wollte es probieren. Meine Devise: Wenn es nicht klappt dann eben nicht, aber ein Versuch ist es Wert.

Das Konzept: 

Ich trinke immernoch Cola, aber Papsi Max mit nur 0,1 Kalorien pro 100 ml. Da ich Wasser nicht mag wird es auch nichts anderes werden. Über das Trinken nahm ich so also auch kaum Kalorien auf.
Wir beschlossen uns anzugewöhnen zu Frühstücken, 1-2 Scheiben Brot mit mageren Belag. Mittag wollte ich dieselben Gerichte wie bisher. Mittagessen sollte schmecken, also auch ein Sahnesößchen. Nur kein Nachnehmen und kleinere Portionen. Abends kein Brot dafür Salat, Gemüse oder Obst. Wir wollten nicht wirklich Low Carb, aber es sollte Abends drauf verzichtet werden.
Mein Problem die Süßigkeiten, Puddings. Extra Essen Abends (Reste vom Mittag). All das wurde gestrichen bzw. radikal reduziert. Von Montags bis Samstags darf ich eine Süßigkeit als Nachtisch Mittags. Das ist mal ein kleiner Riegel (Bounty, Snickers Mini zum Beispiel) mal ein Grießpudding. Abends Resteessen gibt es seitdem gar nicht mehr.
Doch bei all dem Verzicht sollte es auch noch einen Cheatday geben. Das war der Sonntag unser Wiegetag. Morgens wiegen und Tagsüber essen worauf wir Lust haben ohne an Gewicht zu denken. Also Schokolade, Chips, Gummibärchen und auch mal Fast Food. All das ist am Sonntag erlaubt.

Der September bis Dezember

Im September haben wir begonnen und von da an habe ich stetig abgenommen und wenn es nur wenige hundert Gramm waren, aber es ging nie bergauf. unser Konzept schien zu funktionieren. Süßes gab es für mich vielleicht noch zwei bis drei mal die Woche als Nachtisch, meistens wollte ich gar nichts. Wir waren schneller satt und der Magen grummelte auch nicht mehr beim schlafen gehen. Wir fühlten uns genauso wohl

Dann kam die Reha

Darüber habe ich auch schon gesondert berichtet (->Link)
Die Reha tat uns beiden gut, aber unser Konzept konnte da nicht funktionieren. Während wir Zuhause erst spät Frühstückten (etwa um 10) und auch spät zu Mittag aßen (etwa um 16 Uhr) waren die Zeiten in der Reha natürlich viel früher und so mussten wir auch Abendbrot essen wenn es uns weiterhin gut gehen sollte. Ich aß morgens eine Scheibe Brot (Toastgröße) mit mageren Belag. Mittags das was die Köche gaben (570 Kalorien)  und Abends wieder ein Brot mit vier bis fünf Gurkenstücken. Doch trotzdem wollten die Pfunde in der ersten Woche nicht purzeln. Ich hatte meine Tage und wie ich annahm war auch der Sport und der damit verbundene Muskelaufbau Schuld. So nahm ich in den drei Wochen nur knapp  drei Kilo ab oder immerhin 3 Kilo und war mittlerweile auf 106 kg. Immerhin eine Gesamtabnahme seit September von 10 kg.

Feiertage bis heute

Fest stand wir wollten auch Zuhause weiter Sport machen. Ergometertraining sprich Fahrrad fahren und Laufband sollte es bei mir sein und im Anschluss Gerätetraining. Insgesamt drei Mal die Woche 1 Stunde Sport um unsere Muskulatur zu stärken und weiterhin Gewicht zu verlieren. Außerdem galt nun für mich Auto stehen lassen und zur Arbeit laufen, wenn das Wetter es zulässt (Klitschnass an der Arbeit ankommen ist auch nicht doll) So meldeten wir uns im Fitnessstudio an und begonnen im neuen Jahr mit dem gewohnten Training.

Die Feiertage habe mir witzigerweise an Gewicht gar nichts gemacht und das obwohl es da nicht bei einem Cheatday blieb. Es stagnierte eine Woche und sonst ging es weiter runter so dass ich nun bei 102,8 kg bin. Meine Hosen sind alle zu groß. Der Gürtel ebenfalls so dass gestern wenigstens eine Hose gekauft werden sollte. Draus geworden sind zwei Jeans, eine neue Trainingshose und zwei Sweatshirts, bei denen ich echt dachte das sie niemals passen. Ich werde langsam schmaler und will den Weg auch weiter gehen. Unter Hundert ist mein erstes Ziel und könnte vielleicht schon im Februar erreicht werden. Dann wäre das nächste Ziel die 44, 42, 40 und so weiter, doch alles mit der Zeit und mit bedacht.

Ein Fazit:
Ganz von alleine Essen wir bewusster. Es werden keine Kalorien gezählt, aber wir achten eher darauf wie viel ein Gericht hat. Wir essen mehr Obst und Gemüse. Kochen frischer. Das alles kam ziemlich von alleine. Wir haben immernoch Spaß am Essen und ich würde Lügen wenn ich nicht manchmal Lust auf etwas bestimmtes hätte…aber hat das nicht jeder? Das kenne ich auch aus der Zeit wo ich noch alles immer gegessen habe. Auch da hatte man die Lust auf etwas. Ich fühle mich nicht eingeschränkt und so liebe Kommentare wie gestern auf Facebook bringen einen ungheimlichen Motivationsschub. Ich will mich bewegen. Rumsitzen macht mich zum Teil auch hibbelig und so werden auch Einkäufe mit Rucksack zu Fuß erledigt wenn es nur wenige Teile sind.

Ich hatte zwei Vorbilder auf die ich wirklich neidisch war als ich deren Erfolg sah. Eine kenne ich nur aus dem Netz, aber es gab Vergleichsfotos, die anderen kannte ich schon seit meiner Jugend und immer als Übergewichtig. Jetzt ist sie rank und schlank und das auch in nicht Mal einem Jahr. Sicher gibt es solche Beispiele auch immer mal in der Presse, doch ist es ja etwas ganz anderes wenn man die Personen kennt. Ich möchte dahin wo meine Bekannte ist. So weit wie möglich runter und ich weiß jetzt das ich es schaffen kann.

Als ich 2016 anfing hat es noch nicht klick gemacht, dieses klick kam 2017 und half mir an mir zu arbeiten.

Jeder der bis hierhin gelesen hat…Danke….Bei Fragen gerne als Kommi oder auch als Email wenn ihr es nicht so öffentlich wollt (Email) ich werde so gut ich kann jede Frage beantworten, doch bin ich der Meinung das es den EINEN Weg nicht gibt, jeder muss seinen Weg finden. Wenn Interesse da ist berichte ich gerne auch weiterhin.

4 Gedanken zu „[Gebabbel] Mein Weg abwärts

  1. Ich find’s gut, wenn ihr euren Weg gefunden habt und damit gut zurecht kommt. Und wenn der Erfolg dann auch noch sichtbar wird, motiviert das bestimmt auch noch mehr Ich bin mir sicher, dass ihr das durchzieht und freu mich schon aufs Grillen im Sommer. Dann bin ich wenigstens nicht der Einzige mit ner Zucchini

  2. Danke für deinen Bericht. Glückwunsch, dass die Waage schon einiges weniger anzeigt. Dein erstes Ziel unter Hundert ist schon ziemlich nah. Nicht mehr lange, dann hast du es bestimmt geschafft und dann kommen die nächsten Ziele.
    Viel Erfolg wünsche ich euch beiden weiterhin! Ihr schafft das.
    LG Jacqueline

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.