[Rezension] Peer Martin – Winter so weit

 Peer Martin
Winter so weit
Band 2

ISBN 978-3-8415-0398-5
Taschenbuch
16,- €
ab 14 Jahren
Erschienen bei Oetinger
Leseprobe

Inhalt:
Nach dem brand im Asylbewerberheim hat Calvin seine Nuri verloren. Nun möchte er ihren letzten Wunsch erfüllen. Dafür muss er in das Land aus dem Nuri kam – Syrien, und dort Dschinan raus holen. Doch auch der Weg rein in das zerstörte Land ist nicht leicht. Überall droht Gefahr nicht nur vom IS, aber Aufgeben möchte er nicht. Dieses Verprechen will er halten

Meine Meinung:
Ich muss gestehen das mir total entfallen war, dass es der Nachfolger von Sommer unter schwarzen Flügeln ist und so habe ich den Vorgänger auch noch nicht gelesen.

Doch das störte gar nicht. Von der Vorgeschichte von Calvin und Nuri bekommt man ausreichend mit, so das mir nie so war als ob mir da irgendetwas entgangen war. Trotzdem werde ich den ersten Band noch lesen, denn dieser hier hat mir sehr gut gefallen.

Die Geschichte ist sehr Ernst und auch wenn das Buch sehr gut war und der Schreibstil flüssig zu lesen ist, brauchte ich Pausen nach jedem Kapitel. Ich war nie so verblendet zu glauben das Flüchtlinge aus Syrien nur hierher kommen weil sie das gute Leben wollen. Sie haben in Syrien schlichtweg keines und das wird hier sehr klar. Peer Martin schafft es eine Geschichte zu schreiben die nah an der Realität ist und die er selbst durch Zitate und Internetsuchen untermauern kann. So ist dieses Buch weniger unterhaltsam im eigentlichen Sinne und doch ist es genau das irgendwie.

Es ist eine Geschichte von zwei völlig unterschiedlichen Kulturen und Ländern, doch findet man überall Parallelen. Peer Martin zeigt in seinen Textabschnitten die wirklich so irgendwo standen, wie es einem Kind in Syrien geht und wie in Deutschland. Ganz nebenher verwoben in einer Liebesgeschichte. Ein Beispiel: Das Kind in Syrien hat die Augen entzündet. Es wird wegen fehlender Medikamente erblinden. Das Kind in Deutschland wird in ein paar Tagen noch nicht mal mehr dran denken.  Wie gesagt, mir war klar das es so ist, aber hier wird einem das ganze Elend nochmal vor Augen geführt. Ich habe Kapitel für Kapitel gelesen, manche Stichworte auch gegoogelt, wo mir die Tatsachen nicht so geläufig waren und dann später weiter gelesen, weil es Stellenweise einfach zu viel Schlimmes war und mich runter zog.

Die Figuren werden fast zur Nebensache. Nuri das syrische Mädchen in Deutschland, Calvin der Deutsche in Syrien. Auf der Suche nach Dschinan. Es wird von Folter geschrieben, von Hunger und Verletzungen. Eben vom Krieg und man hat als Leser das Gefühl mittendrin zu sein. Doch nicht nur über schlimme Zustände in Syrien wird berichtet, sondern auch davon wie es Flüchtlingen in Deutschland ergehen kann. Das sie eben nicht alles einfach so bekommen, das sie nicht zur Schule gehen dürfen, sie sind manches Mal dazu verdammt zuhause rum zu sitzen, haben aber doch selber ihre Träume und Vorstellungen. Ein Teil davon was hier im Jahr 2013 berichtet wird hat sich schon zum besseren gewendet, anderes gibt es leider immernoch genau so.

Es ist fesselnd weil man hofft das es für Calvin besser wird, doch dann kommt wieder ein Rückschlag und alles wird über den Haufen geworfen. Es ist ein Buch das ich gerne für den Schulunterricht empfehlen würde. Ein Buch das vielleicht doch den ein oder anderen Wankelmütigen Aber-Sager noch umdenken lässt, denn diese Geschichte ist keine reine Fiktion, sie ist ein Teil Wirklichkeit. Einer erschreckenden Wirklichkeit.

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